Michelle Hambly-Grobler 

PORSCHE GIRL

In Südafrika steht Porsche-Girl synonym für die temperamentvolle, groβgewachsene Michelle mit ihrer dunkelblonden, gelockten Mähne. In ihrer Womancave, im Erdgeschoβ einer ehemaligen Textilfabrik in Kapstadts einstigem Industrie- und seit kurzem Trendviertel, finden sich gut 20 mobile Meisterstücke aus Zuffenhausen – und ein südafrikanischer Formel 1-Wagen aus dem Jahr 1959 mit Porsche-Technik.


So abgedroschen es auch klingen mag, es gibt sie doch immer wieder, diese sagenhaften Scheunenfunde. Wie den des ehemaligen F1-Rennwagens von Bill Jennings, der in Stanford, in der Nähe von Südafrikas Wal-Hauptstadt Hermanus entdeckt wurde. Natürlich erfuhr Porsche-Girl Michelle Hambly-Grobler vor einigen Jahren von dem einzigartigen Fund. Den muβte sie unbedingt haben. Aber der Entdecker und neue Besitzer hatte keinerlei Interesse an einem Verkauf.


Michelles Affinität zu automobilen Präziosen begann vor 22 Jahren, allerdings nicht mit luftgekühlten Boxern, sondern ur-amerikanischen V8-Schlitten. Auf einen 1968er Mustang Fastback folgte eine schwarze 1958er Corvette, mit der sie zu einem Oldie-Treffen in Kapstadt fuhr. Dort drückte ihr ein Bekannter den

Zündschlüssel seines grünen 911 RS in die Hand, womit sie eine Runde drehen sollte. Michelle war zunächst skeptisch. Doch die anfängliche Zurückhaltung wurde nach einer (recht ausgedehnten) Spritztour zur verhängnisvollen Affäre. Michelle war vom Zuffenhausen-Virus infiziert.

Ihr Ehemann David hat übrigens gar nichts mit Autos am Hut, liebt aber seine Frau so sehr, dass er ihr Hobby nicht nur akzeptiert, sondern auch finanziert. Und der sehr erfolgreiche Unternehmer kocht auch. Und zwar leidenschaftlich gerne. Während Michelle nach eigenen Angaben nicht einmal eine Tasse Kaffee brühen kann, dafür auf Porsche-Treffen fundiert Benzin redet, stöbert David auf Märkten nach Eβbarem oder einem seltenen Kochbuch für seine Sammlung.

Und obwohl Michelle sogar an historischen Rennen teilnimmt, also richtig gut fahren kann, setzt sich David nie auf den Beifahrersitz. Der Grund: Er möchte noch nicht sterben. Also fahren die Beiden immer getrennt, in zwei Autos. Michelle in einem ihrer Porsche und David in seinem – zumindest chip-getunten – Volkswagen Amarok. Sonst würde er wohl gar nicht nachkommen.


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Und wie machen die Beiden das im Urlaub? Ihre sechs Kinder sind ja

mittlerweile alle aus dem Haus. Michelle lacht wieder in ihrer so sympathischen Art. ‚Vor zwei Jahren‘, erählt sie, ‚waren wir bei guten Freunden im kalifornischen San Diego zu einer Hochzeit eingeladen. Kurz zuvor traf ich durch Zufall beim ersten Cars & Coffee in Kapstadt den amerikanischen Porsche-Fundi Andrew Zala, der mich spontan einlud ihn doch mal in San Francisco zu besuchen“. Und so fuhr Michelle dann mit Andrews 1958er Speedster auf dem Highway Number 1, besuchte seinen Kumpel Magnus Walker in dessen

Mancave in L.A. und verstand sich natürlich auch prima mit diesem. Der rief dann noch seinen Freund Rob Dickinson an, der für Michelle die Tore von ‚Singer Vehicle Design‘ öffnete.


Wenn Michelle und David nach Europa reisen, ist die Situation eine ähnliche. Techno Classica Essen stand schon vier Mal auf dem Programm, ergänzt durch Goodwood und Le Mans. Und dann kann es passieren, dass sich Michelle spontan in eine weitere automobiles Juwel ‚Out of Zuffenhausen“ verliebt. So kamen der sich noch in England befindliche, fjordgrüne 1958er Speedster in ihren Besitz,

als auch Ferdinand, der rote Junior-Traktor, mit dem sie in Kapstadt zum Einkaufen fährt. 


Ihr allererster Porsche kostete allerdings viel Überredungskunst, erinnert sich Michelle. David hatte sich gerade einen Range Rover für 1,5 Millionen Rand (etwa 78 000 Euro) zugelegt, und ihr Wunsch-911 S sollte ungefähr genauso viel kosten. So viel für ein ‚altes Auto‘, das in seinen Koffenraum passen würde?

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Aber mit der Zeit begann David dem automobilen Investitionsgeschick seiner Michelle mehr und mehr zu vertrauen. Und so konnte sie ihn auch davon überzeugen eine bestimmt nicht unbeträchtliche Summe für den kleinen, silbernen F1-Rennwagen locker zu machen. Aufgrund der weltweiten Krise stand dieser nämlich Anfang 2020 plötzlich zum Verkauf.


Leider ohne Motor. Aber da Michelle eine Frau ist, die alles bekommt, sucht sie nun weltweit nach dem Original Typ 547, 1500 cm³ Quad Cam-Triebwerk, mit der Nummer 92001-S1. Und natürlich weiβ sie mittlerweile praktisch alles über das Auto. Während sie das Album mit den historischen Schwarzweiβ-Fotos durchblättert, erzählt sie die Story. Ein Südafrikaner namens Bill Jennings baute den Formel 1-Renner im Jahr 1959, in enger Anlehnung an den 718-Werkswagen von Stirling Moss. Und er schrieb nach Zuffenhausen, ob ihm Porsche nicht vielleicht einen

ihrer Motoren samt Getriebe zur Verfügung stellen könnte. Offensichtlich angetan von Jennings Konstruktionstalent bekam er unglaublicherweise Ersatz-Motor, -Getriebe und -Hinterradaufhängung mit Rädern des 718 von Stirling Moss.

‚Hier fahren sie zusammen den südafrikanischen F1 GP in Kyalami‘, sagt Michelle sichtlich angetan und deutet dabei auf das historische Schwarzweiβ-Foto, in dem Moss und Jennings die legendäre Rennstrecke entlangrasen. Die folgenden drei Jahre nahm Bill mit seinem Jennings Spezial-Porsche am SA GP teil. Danach hörte er auf mit Rennen und wurde Farmer. Dem silbernen Renner wurde kurz darauf der Motor entnommen und verkauft. Die Alu-Haut des südafrikanischen Rennwagens verschwand unter roter Farbe und er bekam fremde Herzen eingepflanzt. Erst von einem Volvo, dann einem Alfa. Die Front wurde verkürzt, um einen Kühler einzubauen.

Michelle hat mittlerweile fast alle Original-Pläne und -Dokumente von Jennings aufgestöbert und der Wagen wurde bereits von Metallkünstlern in seine ursprüngliche Form zurückgebracht. Ihr Traum ist es, nach Auffindung des verschollenen Motors, den dann wieder kompletten Rennwagen in Goodwood an den Start zu bringen. Da die 1.85m groβe Michelle selbst nicht dort starten darf, hofft sie zumindest auf eine Ehrenrunde. ‚Wichtig ist, dass dieser historische Wagen wieder Airtime bekommt und Menschen ihn live erleben können. Die weltweite Porsche-Gemeinde ist wie eine Familie‘. Und Familienmitglieder helfen sich gegenseitig, wenn es darauf ankommt. Daher ist sich Michelle sicher, dass sie den Typ 547 Quadcam-Motor bei ihrer globalen Suche aufspüren wird.

So Michelle, und nun noch eine Frage zum Schluss, quasi als Tipp für alle Frauen, die sich wünschen, dass ihnen ihr Mann jeden Wunsch von den Lippen abliest. Was ist dein Geheimnis? Michelle lacht, schüttelt ihre lockige Mähne, ihre blauen Augen funkeln (das muss der David-Schmelzpunkt-Blick sein) und antwortet: ‚Ich habe nie Kopfweh‘.



Die Kollektion

1959  F1 car Typ 547, 1500cm³, Quad-Cam-Motor

1958 Porsche Junior tractor ‚Ferdinand‘

1958 Speedster Replica

1958  Speedster Orignal fjord-grün (GB)

1969 bis 1970                    911 S, T & E

1981 bis 1983                     911 SC & zwei Targas

1984                                    930 Turbo

1990                                    991

1990                                    993TT

2007                                   997 GT3 RS

2018                                    Cayman GT4

930 Turbo Gulf-style (und einige andere in diversen Garagen, von denen David (noch), nichts weiβ, wie dem schwarzen 928 S)

 


Bisherige Arbeiten am Scheunenfund

Kürzung des Fahrgestells auf die Orignallänge

Pulverbeschichtung des Fahrgestells

Karosserie-Restaurierung, Entfernung der roten Farbe bis zum nackten Aluminium

Aufbereitung des Sitzes und neue Gurte

Aufbereitung des Lenkrades

Aufbereitung der elektrischen Anlage

Neue zeitgenössische Instrumente

Aufbereitung der Bremszylinder und des Bremssystems

Austausch aller Schrauben

Neue Firewall-Abschottung

Reinigung und Restaurierung des Benzintanks

Wiederherstellung der Stoβdämpfer

Überholung des Schaltgestänges

Renovierung der originalen Alfa-Romeo-Felgen an der Frontachse

Renovierung der orignalen Porsche-Felgen an der Hinterachse



Einige signifikante Rennerfolge des Jennings-Porsche

1960  Cape Grand Prix – Killarney (17. Dezember) – kein Finish – Gewinner:  Stirling Moss im Porsche 718

1960  South African Grand Prix – East London (27. Dezember) – Gewinner: Stirling Moss im Porsche 718

1961  South African Grand Prix – East London (26. Dezember) – 12. Platz – Gewinner: Jim Clark im Lotus 21

1961 Rand Grand Prix – Kyalami (19. Dezember 1961) – 11. Platz – Gewinner: Jim Clark im Lotus 21

1961 Natal Grand Prix – (17. Dezember) 9. Platz

1961 Van Rieebeck Trophy – Killarney – 3. Platz

1961 Shawco Trophy – Killarney – 1. Platz

1962 Cape Grand Prix – Killarney – 19. Platz (ausgeschieden)


Dadurch, dass der Wagen in zwei südafrikanischen F1 Grand Prixs mitgefahren ist, qualifiziert er sich für die Glover Trophy beim Goodwood Revival – sobald wieder ein 1500 cm³ Fourcam Porsche-Herz in ihm schlägt. Die Glover Trophy ist für Formel 1-Renner mit 1500 cm³ vorgesehen, die zwischen 1960 und 1966 an Grand Prixs teilgenommen haben.




   

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